Segelkunstflug

Die folgende Zusammenfassung des Lehrgangs dient lediglich dazu einen Eindruck davon zu gewinnen, wie der Segelkunstflug ausgebildet wird. Die Beschreibungen haben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und sollen nicht zum Nachmachen motivieren.

Beschriebene Flugmanöver dürfen nur mit einer Kunstflugberechtigung oder in der Ausbildung zur Berechtigung mit entsprechendem Fluglehrer durchgeführt werden!
Ansonsten gilt: Nicht nachmachen.

Tag 1 – Anreise

Durch den üblichen Feierabend- / Wochenende-Verkehr hat sich die geplante Fahrzeit von drei Stunden, auf etwas mehr als vier Stunden verlängert. Endlich angekommen am Flugplatz Laucha, habe ich meine Lehrgangsgruppe beim Abendessen angetroffen. In dem Eröffnungsbriefing, vom Lehrgangsleiter Sönke, haben sich alle Teilnehmer vorgestellt und der Ablauf der ersten Tage grob besprochen. Generelle Aussagen, warum die Teilnehmer am Segelkunstflug interessiert sind:

  • Das Segelflugzeug in extremen Fluglagen beherrschen können.
  • Der klassische Streckenflug zu stressig und uninteressant.
  • Neue Perspektiven und Möglichkeiten ausloten.

Bei dem Lehrgang, hier auf dem Flugplatz Laucha, nehmen derzeit vier Anfänger und vier Fortgeschrittene Piloten teil. Dazu stehen zwei ASK21 zur Verfügung und für einen späteren Zeitpunkt noch eine Fox, um weitere Möglichkeiten des Kunstfluges zu sehen. UNLIMITED 🙂

Tag 2 – Rückenflug

Am Abend zuvor wurde ausführlich in der Theorie auf das Thema „Rückenflug“ eingegangen. Warum? Dieses Flugmanöver wird zu Beginn tendenziell weniger verwendet, jedoch hat nahezu jeder Pilot mit dem Manöver Probleme, da man komplett „in den Seilen“ hängt. Das Blut steig einem in den Kopf und gemäß dem Motto „Fliegst du auf dem Rücken, musst du drücken!“ ist das zu Beginn definitiv ein unangenehmes Gefühl (Negative G-Belastung).

Das Wetter am ersten Flugtag war sehr gut, mit ansteigender Wolkenbasis (3/8 CU) konnten wir auch nach der Mittagspause durchgehend unter den Wolken fliegen und nicht in den ausgeprägten blauen Löchern. Jeder weitere Flug im Rücken hat sich für mich besser angefühlt, wobei mir eher der stationäre Rückenflug mehr Spaß macht, als dann noch 180° oder Vollkreise im Rücken zu fliegen. Die Orientierung zum Boden und der Kunstflugbox ist gewöhnungsbedürftig.

Einleiten von Rückenflug, mit einer halben Rolle
  1. Beginn des Kunstflug-Programms, mit einer Treppe abwärts 30° Grad,
    bis 180 – 200 km/h.
  2. Treppe ausleiten und in den Horizontalflug übergehen.
  3. Das Segelflugzeug (ASK21) „ausheben“, mit 30° Grad aufwärts,
    dann Ruder neutral.
  4. Querruder in die Rollrichtung geben, Vollausschlag. Kein Seitenruder oder Höhenruder verwenden! Querruder bis zum vollenden der halben Rolle in der Position halten. Danach mit dem Höhenruder (drücken) die Fahrt halten, 120km/h
Einleitung von Rückenflug, durch einen halben Loop
  1. Beginn des Kunstflug-Programms, mit einer Treppe abwärts 30° Grad,
    bis 180 – 200 km/h.
  2. Treppe ausleiten und in den Horizontalflug übergehen.
  3. Das Segelflugzeug (ASK21) bestimmt den in Loop steuern und im Rückenflug ausleiten. Hier muss auf die richtige Fluggeschwindigkeit geachtet werden und ggfs. korrieren.

Wichtig für die Ausbildung im Segelkunstflug und für die Bedeutung des Rückenflugs: Es kann im weiteren Verlauf der Ausbildung oder beim allgemeinen Segelkunstflugs oder bei Wettbewerben Situationen eintreten, wo Flugfiguren missglücken. Dabei besteht die Gefahr in einer Rückenflug-Situation aus einer Figur herauszukommen. Daher ist es sehr wichtig mit dem Thema Rückenflug umgehen zu können. Im Fall der Fälle kann aus dieser Situation (Rückenflug und zu schnell!) mit dem RECOVERN eine normale Fluglage eingenommen werden. Hierzu muss das Höhenruder voll gedrückt werden und das Querruder nach Links oder Rechts (Vollausschlag!) bis die ungewohnte Fluglage beendet ist! Im Rückenflug niemals unkontrolliert voll ziehen!

Zwischenstand: 5 Starts mit 1 Stunde und 29 Minuten Flugzeit.
Durchschnittliche Schleppzeit: 10 Minuten

Tag 3 – Theorie

Am Sonntag wurden wir leider von einer geschlossenen Wolkendecke begrüßt und nach dem Frühstück kam der erste Regen mit dazu. Kurzentschlossen haben wir im Seminarraum ausgiebig theoretische Inhalte besprochen und konnten offene Fragestellungen klären. Bei weitem haben wir nicht alle Fassetten des Kunstflugs mit Segelflugzeugen thematisiert, dennoch wurden die wesentlichen angesprochen. Teil der Ausbildung wird das Trudeln sein, hierzu haben wir folgendes Video angesehen und besprochen. Das Video wurde vom KFAO zu Lehrzwecken erstellt und thematisiert „Trudeln“ und „Umkehrtrudeln“, aber sehr doch einfach selbst…

Darüberhinaus haben wir die rechtlichen Aspekte besprochen und die nötigen Schritte, um am eigenen Flugplatz mit / ohne einer Kunstflugbox die Sportart ausüben zu können. Die wesentlichen Definitionen und der rechtliche Kontext ist in diesem Absatz aus den entsprechenden Gesetzestexten zusammengestellt:


SERA Artikel 2 – Begriffsbestimmungen:

5. „Kunstflug“: ein absichtliches Manöver in Form einer abrupten Änderung der Fluglage eines Luftfahrzeugs, eine abnorme Fluglage oder eine abnorme Beschleunigung, die für einen normalen Flug oder für die Unterweisung für Lizenzen oder Berechtigungen außer der Kunstflugberechtigung nicht notwendig sind.

LuftVO § 14 Kunstflüge

1) Kunstflüge dürfen nur bei Flugverhältnissen, bei denen nach Sichtflugregeln geflogen werden darf, und nur mit ausdrücklicher Zustimmung aller Insassen des Luftfahrzeugs ausgeführt werden. Kunstflüge mit Luftsportgeräten sind verboten.

2) Kunstflüge in Höhen von weniger als 450 m (1.500 Fuß) über Grund oder Wasser sowie über Städten, anderen dicht besiedelten Gebieten, Menschenansammlungen und Flughäfen sind verboten. Die örtlich zuständige Luftfahrtbehörde des Landes kann im Einzelfall Ausnahmen zulassen.

3) Kunstflüge bedürfen, soweit sie in der Umgebung von Flugplätzen ohne Flugverkehrskontrollstelle durchgeführt werden, der Zustimmung der Luftaufsichts-stelle. Absatz 2 bleibt unberührt.

4) Für Kunstflüge im kontrollierten Luftraum und über Flugplätzen mit Flugverkehrskontrollstelle ist der zuständigen Flugverkehrskontrollstelle ein Flugplan zu übermitteln.

LuftVO § 21 Nutzung des kontrollierten Luftraums und des Luftraums über Flugplätzen mit Flugverkerskontrollstelle

Abs. 1.: Vor der Nutzung des kontrollierten Luftraums und des Luftraums über Flugplätzen mit Flugverkehrskontrollstelle ist bei der zuständigen Flugverkehrs-kontrollstelle eine Flugverkehrskontrollfreigabe einzuholen für Abs. 1, Nr. 7: Kunstflüge

Abs. 2: Verantwortlich für die Einholung der Flugkontrollfreigabe ist im Fall von Abs. 1

Abs. 2, Nr. 7: der Luftfahrzeugführer


Am Ende des Tages (nachmittags gegen 15:00Uhr) haben wir die theoretische Unterweisung beendet und Freizeit verkündet. Entsprechend ist jeder seinen Interessen nachgegangen und konnte für sich die ersten zwei Tage sacken lassen. Ich habe nach ein er kurzen Pause den Flugplatz Laucha erkundet und am Modellflughang die dunstige Aussicht genossen. Wir freuen uns alle auf besseres Wetter!

Schlechtwetter Selfie mit der DJI Mavic Air

Tag 4: Ungeduldige Segelflieger

In der Nacht hat es ordentlich geregnet und das prognostizierte „Schlechtwetter“ ist überwiegend vorbeigezogen. Daher waren beim Frühstück alle positiv gestimmt, dass es heute mit der Ausbildung weitergehen kann. Bei einem genaueren Blick in die Wettervorhersagen und auf das Regenradar, mussten wir feststellen, dass ein Aufbauen um 09:00 Uhr unrealistisch ist. Daher wurde das Briefing auf 11.30 verschoben.

Nach einem weiteren Breifing um 11:30 wurde zwei weitere Anläufe unternommen, in der Hoffnung heute noch einmal in die Luft zu kommen. Leider vergebens! Der heutige Tag wurde somit neutralisiert und man konnte zum geselligen Teil übergehen.

Tag 5: Anfänger-/Prüfungs-Programm

An dem heutigen Tag waren die einzelnen Flugfiguren des Prüfungs-Programms wichtig. Gemeinsam mit dem jeweiligen Fluglehrer wurden vor jedem Flug bestimmte Figuren besprochen und auf die wesentlichen Elemente hingewiesen. Das Programm besteht aus den Elementen:

  • Treppe abwärts
  • Looping
  • Abschwung
  • Aufschwung
  • Turn
  • Rolle
  • Turn
  • Rolle
  • Treppe aufwärts

Nachdem bei den ersten Flügen an dem heutigen Tag die einzelnen Figuren geflogen und intensiviert wurden, konnte am Ende des Tages zum ersten Mal alles in Folge geflogen werden. Jeder weitere Flug hat sich besser angefühlt und auch die Abfolge und Ausführung der Figuren wurde stetig besser.

Zwischenstand: 15 Starts mit 4 Stunde und 10 Minuten Flugzeit.

Tag 6: Trudeleinweisung und Soloflug

Am Vorabend sind alle früh ins Bett gegangen, da die Vorhersagen für den heutigen Tag positiv waren. Bereits um 07:30 wurden die Flugzeuge aus der Halle geholt und der Start aufgebaut. Mit einem gemeinsamen kurzen Frühstück in Kombination mit einem Briefing, starteten die ersten Teilnehmer des Lehrgangs mit der Trudeleinweisung. Einer davon, war ich! Vorbereitet mit dem nötigen Equipment ging es auf die Waage, um im Anschluss die richtige „Dosis“ an Gewichten zu ermitteln. Dies ist besonders wichtig, den ein zu schweres Heck kann schlimme Folgen haben. Um eine Nummer sicher zu gehen, haben wir dann ein Kilo weniger verwendet, als vom Hersteller für das Trudeln empfohlen wird.

Insgesamt konnte ich an diesem Tag sechs Starts machen, und mit abgeschlossener Trudeleinweisung Stand meinem ersten Soloflug mit Kunstflugprogramm nichts mehr im Weg. Der erste Flug alleine war etwas ganz besonderes, zwar war der Start genauso fix wie alle anderen zuvor, die Figuren haben sich ohne Fluglehrer-Gewicht doch anders angefühlt.

Zwischenstand: 21 Starts mit 5 Stunde und 45 Minuten Flugzeit.

Tag 7: Was ist noch alles möglich?

Am letzten Tag waren alle Teilnehmer ein wenig platt. Die körperliche und geistige Anstrengungen sind bei dieser Ausprägung des Segelflugsports nicht zu vernachlässigen. Insofern war ich ein wenig froh, dass ich mein persönliches Soll am Vortag erreicht habe und ich meine Kunstflugberechtigung im Segelflug erwerben konnte. Daher habe ich noch die Chance genutzt, bis unser Schlepppilot in Richtung Stuttgart aufgebrochen ist, einen begehrten Start in einem Fox mitzumachen.

Beitragsbildquelle: Das Handbuch für Segelkunstflug, Seite 95, ISBN: 978-3980677356

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